Dass sich junge Leute für den Klimaschutz engagieren, kann man nur begrüßen. Schließlich geht es um eine Überlebensfrage der Menschheit. Deshalb haben sich fast alle Staaten zu ehrgeizigen Maßnahmen verpflichtet, um die Erderwärmung zu begrenzen. 2016 und 2017 konnte ich daran mitwirken und eine globale Partnerschaft für nationale Beiträge zum Klimaschutz mit initiieren (ndcpartnership.org).

Ich halte aber nichts davon, den „Klimanotstand“ auszurufen und mit dem moralischen Zeigefinger zu fuchteln. Das gilt auch für junge Leute, die von der Nutzung des Internets bis zu Flugreisen einen größeren ökologischen Fußabdruck hinterlassen als jede Generation davor. Weniger Anklage und mehr Aktion wären wünschenswert.

Die Klimaziele selbst sind ja nicht umstritten. Aber der Weg dorthin ist steinig. Zum Einen müssen ökonomische und soziale Folgen etwa für sichere Energieversorgung und bestehende Arbeitsplätze bedacht werden. Zum Anderen müssen wir so vorgehen, dass andere Staaten beim Ausstieg aus fossilen Energieträgern folgen können. Unsere Maßnahmen müssen also globalisierungsfähig sein, sonst sind sie nicht relevant.

Ein Beispiel ist die Bepreisung von CO². Eine Abgabe würde vor allem kleine und mittlere Einkommen belasten, während sich Gutverdienende, die oft deutlich mehr CO² verbrauchen, freikaufen könnten. Das führt nicht zu Klimaschutz, sondern zu sozialen Spannungen. Da müssen sich alle ehrlich machen, anstatt andere zu belehren. Der Emissionshandel ist ein klügeres Konzept, das international skalierbar ist und private Investitionen in Richtung Klimaschutz kanalisiert.

Kleinteilige Vorschriften und Bevormundung werden der Aufgabe nicht gerecht. Wir müssen größer denken und auf Kreativität setzen. 30 Millionen Bäume wird jetzt  der Freistaat Bayern pflanzen. Tausend Milliarden Bäume weltweit hat sich der 21-jährige Felix Finkbeiner vorgenommen (plant-for-the-planet.org). Wann nehmen die Fridays for Future-Demonstranten die Schaufel in die Hand?